Sukiyaki Western: Django: Review

Sukiyaki Western: Django – Japan 2007
Sukiyaki Western: DjangoMit Sukiyaki Western: Django liefert Regisseur und Quergeist Takashi Miike seine Hommage an das Italowestern Genre als Potpourri aus frischen Ideen, abgedrehten Charakteren und Augenzwinkern im Dauerfeuer.
Die Hintergrundgeschichte dürfte auch weniger großen Fans von Western bekannt vorkommen. Ein abgelegenes Dorf wird von den Banden zweier altverfeindeter Familienclans, den in rot gekleideten Genji sowie den weißen Heike besetzt. Beide Clans vermuten einen Goldschatz unter dem, von den Einwohnern inzwischen fluchtartig verlassenen Dorf und lieferten sich monatelang blutige Kämpfe bis es auf beiden Seiten nur noch wenige Überlebene gibt. Hier kommt (genretypisch) der mysteriöse namenlose Revolverheld ins Spiel, der mit seinen Waffenkünsten das anhaltende Gleichgewicht der Mächte entscheidend beeinflussen könnte und deshalb von beiden Clans umworben wird. Dazu kommen noch einige Nebengeschichten mit Romeo und Julia Anleihen, Geheimwaffen, alternden Revolverheldinnen, britischen Rosenkriegen und bleihaltigen Geschlechtsoperationen.

Um das größte Thema gleich aus der Welt zu schaffen: Ja, die englischen Dialoge der japanischen (sowie des einen US) Schauspieler(s) sind schwer zu verstehen und man merkt, daß die wenigsten gewusst haben dürften was sie da eigentlich von sich geben. Miike war sich dessen wohl auch bewußt und so kann man der Rahmenhandlung auch dann noch folgen, wenn man nur rund 70% der Dialoge, die oft eh nur aus Flüchen oder One-Linern aus dem Cowboyhandbuch bestehen versteht. Der Rest ergibt sich mehr oder weniger aus dem Kontext und so hat man nach einigen Minuten wenig Probleme damit dem seltsamen Singsang, der seinen Teil zum Charme des Films beiträgt zu folgen. Besonders wenn der Anführer der Genji anfängt Shakespear vorzutragen (kurz nachdem er von seinen Untertanen fordert ihn Henry zu nennen) oder der schizophrene Dorfsheriff in bester Gollummanier mit sich selbst streitet kann ich mir nicht vorstellen daß das bei japanischen Dialogen mit Untertiteln den gleichen Effekt auf den Zuschauer (nämlich Dauergrinsen) gehabt hätte.

Man merkt den Schauspielern auch deutlich an, daß sie Spaß an der ganzen Sache hatten, egal ob sie vor offensichtlichen Pappkulissen agieren oder sich (für Miike Verhältnisse ungewöhnlich) relativ unblutige Feuergefechte liefern. Zumindest bei mir ist der Funke übergesprungen und so kann ich dem Film auch einige Längen verzeihen, die im späteren Handlungsverlauf auftreten und bei denen man merkt daß hier vielleicht fast schon zu viele Ideen und Verneigungen vor Genreklassikern verarbeitet werden wollten. Insgesamt hält Sukiyaki Western Django was der Vorspann mit einer Kamerafahrt durch einen Sukiyaki Eintopf verspricht, eine technisch einwandfreie Mischung mit vielen guten Einzelszenen und Situationskomik als Fleischstücke, eine ausreichende fesselnde Handlung als Füllmaterial sowie die anschließende Portion verquirltes Ei als das besondere Etwas an das man sich erstmal gewöhnen muss. Für das absolute Highlight des bisherigen Videojahres, das sicherlich noch öfter seinen Weg in den Player finden wird.

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9 Kommentare


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9 Kommentare zu “Sukiyaki Western: Django: Review”

  1. 13. Februar 2008 | 17:53 Uhr
    Grammaton Cleric
    Hmm, also ich las aber, dass der recht brutal sein soll (nicht, dass ich das brauchen würde, aber meine nur). Da Du ja auch gerne mal Kritik zur Kritik haben wolltest, will ich nur sagen, dass Du nicht immer so explizit den Inhalt wiedergeben solltest, da man diesen in der IMDb o.ä. locker nachschlagen kann, unwichtig also. Ansonsten aber kurz und prägnant, so wie es sein sollte. Wobei mich dann doch noch interessieren würde, wie sich Tarantino so schlägt und wie groß seine Rolle ist…? :wink:

    Kann ihn auf den FFF Night jedenfalls kaum erwarten! :yeah:

  2. 13. Februar 2008 | 18:03 Uhr
    Ulrik
    Grammaton Cleric:

    Hmm, also ich las aber, dass der recht brutal sein soll (nicht, dass ich das brauchen würde, aber meine nur). Da Du ja auch gerne mal Kritik zur Kritik haben wolltest, will ich nur sagen, dass Du nicht immer so explizit den Inhalt wiedergeben solltest, da man diesen in der IMDb o.ä. locker nachschlagen kann, unwichtig also. Ansonsten aber kurz und prägnant, so wie es sein sollte. Wobei mich dann doch noch interessieren würde, wie sich Tarantino so schlägt und wie groß seine Rolle ist…? :wink:

    Kann ihn auf den FFF Night jedenfalls kaum erwarten! :yeah:

    Also ich fand ihn nicht sonderlich brutal, man sieht halt die Einschusslöcher und etwas Blut, aber keine Fontänen wie in manch anderen Filmen aus der Gegend.

    Den ollen Quentin habe ich ehrlich gesagt mit am schlechtesten verstanden weil er einen dicken japanischen Akzent aufgesetzt oder den Mund voll hatte. Hat aber ganz passabel gespielt, welche Rolle verrate ich allerdings nicht ;)

  3. 13. Februar 2008 | 18:07 Uhr
    Grammaton Cleric
    OK, das klingt jedenfalls schon mal sehr, sehr nett. Und hast Recht, bei Miike ist Gewalt ja sowieso so ein Sache… :evil:

  4. 14. Februar 2008 | 12:34 Uhr
    Peter von Frosta
    Ich will den in der rote Hülle :fall:
    Klingt aber anschauenswürdig :D

  5. 15. Februar 2008 | 11:35 Uhr
    tousetrien
    ist da ein deutscher release schon absehbar?

  6. 15. Februar 2008 | 11:40 Uhr
    Ulrik
    tousetrien:

    ist da ein deutscher release schon absehbar?

    Zumindest hat sich Universum Film die deutschen Rechte im November gesichert.
    http://blog.affenheimtheater.d.....-vergeben/

  7. 15. Februar 2008 | 15:45 Uhr
    tousetrien
    Ulrik:

    tousetrien:

    ist da ein deutscher release schon absehbar?

    Zumindest hat sich Universum Film die deutschen Rechte im November gesichert.
    http://blog.affenheimtheater.d.....-vergeben/

    dann muss ich mich wohl noch etwas gedulden

  8. 18. Februar 2008 | 04:15 Uhr
    R3
    Danke für das Review. Nach den bisher eher mauen Kritiken endlich ein Stimmungsmacher. Meine DVD is leider noch unterwegs :x

    Werd dann wohl ein Filmpartyabend bei mir veranstalten müssen. und wenn die Kollegen alle wech sind nach Italowestern galore, gucke ich mir endlich den langersehnten mitgeorderten Kamome Shokudo an :D

  9. 26. Februar 2008 | 18:25 Uhr
    R3
    Sukiyaki Western Django 6/10

    WIe so oft mit hohen Erwartungen… oft wird man enttäuscht. Der Film ist viel zu lang. Man hätte einiges kürzen sollen. Zudem .. naja…. die japaner klauen von den Italienern die von den Japanern geklaut haben…. bisschen pervers. Da fehlt dann doch die Spannung bei der x-ten Yojimbo Verwertung. Ausserdem stören mich Kleinigkeiten. Der Showdown hätte Italowestern mässig langsamer und mit mehr Musik unterlegt werden sollen.

    Positiv sind Tarantinos auftritte, besonders der trashige Anfang. Der dts Ton der DVD is ne Wucht, der persönlichkeitsgespaltene Sheriff macht eine Gollum Persiflage, die göttlich ist. Und beim Ende und den Credits ist das Django Theme genial. Aber den Soundtrack besitze ich sowieso schon länger. Ich denke, wenn ich besoffen gewesen wäre, würde der Film mehr Punkte bekommen.

    Ich bin seit fast 8 Jahren Miike Fan, aber der Film ist leider etwas schwächer… jedenfalls wenn ich nüchtern bin.