Tales from Earthsea [Gedo Senki ゲド戦記] – Japan 2006
Nachdem der erste Film von Hayao Miyazakis Sohn Goro schon im Januar 2006 in meiner ersten Vorfreudeliste auftauchte, wurde es höchste Zeit, mir das in Japan an den Kinokassen erfolgreiche, aber anschließend vielgeschmähte Regiedebüt auf der frisch erschienenen Hong Kong DVD auch endlich anzusehen.
Tales from Earthsea basiert auf der Erdsee Romanreihe der US Schriftstellerin Ursula K. Le Guin. Erzählt wird die Geschichte des jungen Prinzen Arren, der nach dem Mord an seinem Vater den Magier Sparrowhawk auf seinen Reisen durch das von Seuchen und Misernten geplagte Königreich begleitet. Sparrowhawk, Erzmagier seines Ordens sieht den Grund für die desolate Lage darin, daß die Welt durch eine Macht aus dem natürlichen Gleichgewicht gebracht wurde und deshalb langsam im Chaos versinkt. Auf ihren Reisen treffen die beiden auf das geheimnisvolle Waisenmädchen Therru, das sie vor den Handlangern des vom ewigen Leben bessessenen Magiers Lord Cob retten. Gemeinsam machen sie sich auf, um Lord Cob und seinen zerstörerischen Machenschaften das Handwerk zu legen.
Um es gleich vorne weg zu sagen, mich hat Tales from Earthsea nach der langen Wartezeit leider ziemlich enttäuscht. Selbst wenn man den Film nicht mit den Werken seines Vaters vergleicht merkt man schnell, daß das was Goro hier abgeliefert hat, einiges an Überarbeitung nötig gehabt hätte. Die Hintergründe der Charaktere, die oft großspurig angekündigt werden bleiben zum großen Teil unbeleuchtet während die Figuren ohne wirkliches Ziel durch den Film irren. Das von mir erwähnte “Machenschaften das Handwerk” legen, wird im Film nie als Ziel erklärt und so wirken Sparrowhawk und der nach dem Vatermord von einem Schattenwesen verfolgte Arren den Film über eher unmotiviert und verbringen ihre Zeit länger mit Farmarbeit anstatt Lord Cob auf die Pelle zu rücken. Diesen Mangel an Bedrohung und Konflikten bekommt auch der Zuschauer zu spüren, da die Auswirkungen des Ungleichgewichts immer nur kurz angedeutet und erzählt werden und so wirkungslos verpuffen. Ebenfalls schade ist, daß viele Dinge und Handlungen nur unbefriedigend geklärt, z.B. warum Arren seinen liebenden Vater am Anfang des Films umbringt und sein (oft als magisch bezeichnete) Schwert stieht. Schade, daß viele gute Ideen wie die Wahren Namen oder die Geschichte der Drachen im Film eingeführt, aber nicht weiter ausgeführt oder umgesetzt wurden.
Die Animationen und Charakterdesign von Studio Ghibli sind wie gewohnt sehr gut, auch wenn sie sehr stark an Nausicaä erinnern. Die Detailverliebheit zeigt sich besonders in der Stadt Hont, in der sich in allen wohl gestalteten Ecken etwas tummelt. Lob hat ebenfalls der sehr schöne Soundtrack von Tamiya Terashima verdient, der zwar manchmal etwas zu pompös auftritt (und mich immer mal an Herr der Ringe erinnert), aber ansonsten schön zur sehr erdigen Atmosphäre des Films beiträgt.
Tales from Earthsea: Hong Kong DVD
Die vor einer Woche erschienene Hong Kong DVD zu Tales from Earthsea wird in einem Prägeschuber (Drache und Schriftzug) mit einer Art Hologrammdruck ausgeliefert. Wie üblich bei den IVL DVDs der Studio Ghibli Collection befindet sich auf der zweiten DVD ein Storybord des kompletten Films , dazu gibt es noch einige Trailer und ein Interview mit den japanischen Synchronsprechern (alles ohne englische Untertitel).
Video
Leider hat sich Ghibli auch hier wieder für für einen recht großen schwarzen Rand (Overscan, siehe Screenshots oben) um das eigentliche Bild entschieden. Ansonsten gibt es nicht viel zu meckern, außer daß das Bild zwar im anamorphen Widescreen Format vorliegt, jedoch nicht progressiv abgetastet wurde, was manchmal zu unschönen Effekten an Objektkanten führt.
Audio
Wie bei der japanischen DVD liegt der Originalton im Dolby Digital 6.1 EX Format vor, die Surroundlautsprecher und der Subwoofer werden besonders in der ersten Szene mit den Drachen auf hoher See gut gefordert. Ansonsten wird die Musik gut auf alle Lautsprecher verteilt, besonders bei der Gesangseinlage durch Newcomerin Aoi Teshima [Titelsong Live] bekommt man Gänsehaut. Die englischen Untertitel sind stets gut lesbar und fehlerfrei.
Bis zum 31. August hat YesAsia übrigens eine Verlosung für alle Besteller der Hong Kong DVD von Tales from Earthsea laufen, zu gewinnen gibt es eine fast 2,5kg schwere Tales from Earthsea Statue, die nach dem Postermotiv gestaltet wurde.
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